3 beste #Schreibempfehlungen für längere Texte

A) FANG EINFACH AN!

Nirgends steht geschrieben, dass Du einen Text von Anfang bis zum Schluss in einem Stück durchschreiben musst. Nirgends steht geschrieben, dass Du einen Text in der Reihenfolge schreiben musst, wie ihn später der Leser oder die Leserin zu Gesicht bekommt. Schliesslich leben wir im Computerzeitalter.

Wenn es Dich weniger Überwindung kostet, beginne mit einer Passage, zu der Dir am meisten einfällt. Und schreibe den Anfang später, nachdem Du vielleicht bei einem Spaziergang eine zündende Idee hattest. Vergiss jedoch nicht, dass es keinen idealen Zeitpunkt gibt, einfach anzufangen. FANG ALSO EINFACH AN!

Bei längeren Texten wie Bachelor- oder Masterarbeiten empfiehlt es sich ohnehin, sie in einzelnen Untereinheiten abzuarbeiten, zumal Dich das weniger einschüchtert, als ein Riesenopus als Ganzes anzugehen.

Damit das funktioniert, brauchst Du eine gute Gliederung, eine folgerichtige Strukturierung Deiner Gedanken also. Und das bringt mich zur zweiten besten #Schreibempfehlung für längere Texte.

B) MACH EINE GLIEDERUNG!

Eine Gliederung sollte die folgenden Fragen beantworten:

• Wie willst Du anfangen?

• Was steht in welcher Reihenfolge im Hauptteil?

• Womit soll Dein Text enden?

Indem Du zu Beginn den Aufbau planst und schriftlich festhältst, kannst Du Dir beim Schreiben und Überarbeiten eine Menge Zeit ersparen. Bei längeren Texten bist Du ohne so einen Bauplan verloren.

Wenn Du nämlich einen fertigen Text neu strukturieren musst, weil der rote Faden fehlt, wird’s kompliziert und richtig aufwändig. Ausserdem wäre es doch schade, wenn Du schön strukturierte Passagen streichen müsstest, weil diese bei genauem Hinsehen überflüssig sind.

Besonders gut gefällt mir eine Methode der Gliederung, die der Buchlektor David Carr als THE NO-STRESS WAY FOR WRITERS TO OUTLINE bezeichnet. Dieses Vorgehen eignet sich vor allem für längere Sachtexte und funktioniert, vereinfacht gesagt, wie folgt:

Nimm ein Notizheft oder Block, jedenfalls Papier, und einen Stift, und setz Dich irgendwo hin, wo Du ungestört bist.

Konzentriere Dich auf das Thema und schreibe in Stichworten 10 bis 20 Punkte auf, die Du behandeln willst.

Gib anschliessend diese Punkte in ihrer logischen Reihenfolge untereinander in den PC ein.

Überlege im nächsten Schritt für jeden dieser Punkte mehrere Dinge, über die Du in dem Zusammenhang schreiben willst.

Dann gehe zurück an den Computer und amplifiziere die einzelnen Punkte, bis die ganze Gliederung ausformuliert ist.

Für David Carr bietet dieses Vorgehen den Vorteil, dass Du beinahe für jeden Absatz des Textes den ersten Satz formuliert oder angedacht hast.
(Wenn Du, wie es in den USA üblich ist, einen Absatz so aufbaust, dass der erste Satz den neuen Gedanken enthält und die weiteren Sätze die Erklärung dazu bilden.)

Klar ist das nur eine Möglichkeit, einen Text vorzustrukturieren. Andere arbeiten lieber mit sogenannten «Mind-Maps», wieder andere gehen ganz spontan vor. Wie Du eine Gliederung anfertigst, ist unwichtig. Entscheidend ist nur, dass Du es tust. (Natürlich bevor Du mit dem Schreiben beginnst.)

Wenn Du Dir somit vor dem Schreiben Gedanken über Inhalt und Struktur machst und eine Gliederung skizzierst, sparst Du Zeit, erleichterst Du Dir die Arbeit und erzielst ein besseres Ergebnis. Ausserdem hast Du verschiedene Ausgangspunkte, an denen Du mit der Arbeit an Deinem Text beginnen oder fortfahren kannst.

C) SEI EINE SCHILDKRÖTE ODER „Nulla dies sine linea!“

Der Satz „Nulla dies sine linea“, den angeblich Plinius dem berühmten griechischen Maler Apelles in den Mund gelegt hat, der aber in Wirklichkeit so formuliert erst aus dem frühen 16. Jahrhundert stammt, gehört zu den immer wieder beschworenen Charakteristika der Literatur und Zeichenkunst.

Nimm dir niemals 10 Seiten pro Tag vor. Das wirst Du nie schaffen. Schreibe lieber eine Seite pro Tag. Oder eine halbe. Allenfalls nur drei Sätze wie der französische Romancier Gustave Flaubert.

Der Trick liegt darin, dass Du täglich schreibst. Täglich 100 Wörter sind 36‘500 Wörter pro Jahr. So kannst du jedes Jahr mehr als eine Hausarbeit schaffen. ABER AUCH HIER GILT NATÜRLICH: FANG EINFACH AN, schliesslich bringen Dich nur Taten weiter

Christoph Frei, Akademisches Lektorat, CH-8032 Zürich