Letzte beste Tipps für die Probezeit

Im Unterschied zu vielen Schülerinnen und Schülern haben die Lehrer noch lange nicht mit der Probezeit abgeschlossen. Die Mehrheit schafft sich über eine letzte Prüfung nach den Weihnachtferien eine breitere Notenbasis, um auf der sicheren Seite zu stehen. Fällt das letzte Ex. dann (vielleicht wider Erwarten) gut aus, haben Schülerinnen und Schüler natürlich deutlich bessere Karten, als wenn sie sich bereits vor den Weihnachtsferien aufgeben. Mit anderen Worten ist die Probezeit zwar wie im Fussball in der zweiten Hälfte, doch bleiben sicher noch 20 Minuten Zeit, um das Spiel in einem entscheidenden Moment zu gewinnen oder zu verlieren. Also gilt es, die letzte Chance zu packen. – Mögen meine «Letzten besten Tipps für die Probezeit» etwas dazu beitragen.

A) LERNEN

Lerne in kleinen Portionen, aber ohne Handy. Durch vorausschauendes Lernen in dosierten Portionen kannst Du Zeitdruck und Panik vor Prüfungen vermeiden. Dabei bewährt es sich, die Lernaufträge frühzeitig in kleinen Portionen zu erledigen und nach etwa 40 Minuten Lernzeit eine kleine Pause einzulegen. Anschliessend kann man eine weitere schulische Aufgabe für ein anderes Fach in Angriff nehmen. – Am Vortag einer Prüfung stundenlang den Stoff zu pauken, ist nicht nachhaltig, aber häufig eine Art von Notlösung der Jugendlichen. Dabei werden zu oft aufgrund des akuten Zeitdrucks aktuelle Hausaufgaben verdrängt, was negative Rückmeldungen der Lehrpersonen zur Folge hat und stoffliche Lücken verursacht. Dringend solltest Du Dich beim Lernen von elektronischen Geräten, vor allem von Smartphones, fernhalten. Am besten befinden sich die Geräte auch nicht in der Hosentasche oder auf dem Schreibtisch. Ansonsten bist Du ständig versucht, einen Blick darauf zu werfen und vielleicht doch noch schnell eine Nachricht zu schreiben.

B) GET ORGANIZED!

Wie Du weisst, steigt die Anzahl an Fächern, Hausaufgaben, Prüfungen und Unterlagen am Gymnasium stark an. Du musst daher lernen, den Überblick über die Termine und Materialien zu behalten. Dabei hilft die einfache, klare Organisation der Lerninhalte und Lehrmaterialien mit einer übersichtlichen Terminierung. Ich empfehle, in beschrifteten, leichten Faltordnern die Blätter für die verschiedenen Fächer abzulegen und immer am Vorabend schon anhand des Stundenplans alle benötigten Materialien einzupacken. So geht nichts verloren und auch in der Hektik am frühen Morgen wird nichts vergessen. Hier können Dich auch die Eltern unterstützen und überprüfen, ob Du auch wirklich alles benötigte Material in der Schultasche hast. In einen grossen Monatsplaner an der Wand kannst Du Dir alle wichtigen Termine wie zum Beispiel Prüfungen und Ausflüge eintragen. Das gibt Dir die nötige Übersicht und kann Drucksituationen durch „überraschende“ Prüfungen verhindern. Gegenüber dem elektronischen Kalender der Handys hat ein Wandkalender zwei Vorteile: Er ist übersichtlicher und immer direkt einsehbar.

C) PRÜFUNGSVORBEREITUNG

In der Probezeit schreibst Du etwa gleich viele Prüfungen, wie Du Lektionen hast. Also sind die Prüfungsvorbereitungen von entscheidender Bedeutung, zumal die Noten aus den Prüfungen die Grundlage für das Bestehen der Probezeit bilden. Da die Lehrer nur den Stoff prüfen können, den sie zuvor vermittelt haben, schreibst Du im zweiten Teil der Probezeit deutlich mehr Prüfungen als im ersten.

• Klär als erstes ab, was geprüft wird. Ohne dass Du den Umfang des Prüfungsstoffs kennst, kannst Du keinen Erfolg haben in der Probezeit.

• Finde heraus, was Du bereits über das Prüfungsthema weisst. Welche Inhalte beherrschst Du vollständig? Welche nur teilweise? Welche noch gar nicht?

• Mach einen Lernplan. Schreib auf, wann und mit wem Du welche Themen lernen willst. Unterteile in verschiedene Phasen: langfristige, mittelfristige und kurzfristige Prüfungsvorbereitung.

• Diskutiere das Prüfungsthema in der Familie, mit Freunden oder mit den Lehrpersonen. Vielleicht bringst Du weitere wichtige Details in Erfahrung.

• Falls möglich, besorg Dir frühere Prüfungen aus oberen Klassen. Dann bekommst Du einen Eindruck davon, welche Art von Fragen gestellt werden könnten.

• Die Zeit, in der Du Dich auf ein Thema konzentrieren kannst, ist begrenzt. Deshalb sind Pausen wichtig. Plane genug Ruhezeiten ein: Lenk Dich ab, geh nach draussen, lüfte den Kopf durch, bewege Dich.

• Um Dich zu konzentrieren, brauchst Du viel Sauerstoff und genug Flüssigkeit. Deshalb solltest Du Dein Zimmer während den Pausen kräftig lüften und Du solltest über den ganzen Tag verteilt genug Wasser trinken.

• Um Dich gut vorzubereiten, braucht das Hirn Zucker, wie er in Obst und Früchten enthalten ist. Deshalb solltest Du viel Obst essen oder Fruchtsaft trinken.

• Lass Dich kurz vor der Prüfung von den anderen nicht nervös machen. Such Dir einen ruhigen Ort und denk an etwas, das Dir Freude macht.

D) SCHRIFTLICHE PRÜFUNGEN

Lies zuerst alle Fragen durch. Berechne, wie viel Zeit Du für eine Aufgabe hast, berücksichtige dabei die Punktzahl einer Aufgabe. Antworte präzis auf die Fragen. Mach kurze Sätze und schreibe leserlich. Behalte im Hinterkopf, was gefragt ist.

• Wenn Du die Fragen in einer beliebigen Reihenfolge lösen kannst, beginne mit einer Aufgabe, die Dir leichtfällt. Das stärkt Dein Selbstvertrauen und beruhigt die Nerven.

• Lass Dir Zeit mit Schreiben. Mach Dir auf einem separaten Papier Notizen und Antwortentwürfe. Notiere auch spontane Einfälle. Wenn Du sicher bist, dass Du die richtige Lösung hast, notiere sie auf das Prüfungsblatt. Lass dabei etwas Platz für Nachträge.

• Wenn Du Probleme mit einer Aufgabe hast, bleib ruhig. Niemand kann alles wissen. Wenn Du die Lösung nicht weisst, versuch es am Schluss nochmals. Konzentriere Dich darauf, die anderen Aufgaben gut zu lösen.

• Plane etwas Zeit ein, um die gelösten Aufgaben nochmals zu lesen. Überprüf, ob die Aufgaben korrekt gelöst sind und die Texte auf Grammatik- oder Rechtschreibefehler.

E) MÜNDLICHE PRÜFUNGEN

Sprich laut und deutlich! Sei höflich! Steh oder sitze aufrecht. Ein sympathisches Auftreten ist fast gleich wichtig wie der Inhalt Deiner Antworten. Denk laut! Die mündliche Prüfung ist ein Gespräch. Rede über das, was Dir gerade durch den Kopf geht, erkläre Deine Gedanken.

• Der Satz „Weiss ich nicht“ ist tabu! Vermeide ihn unter allen Umständen. Er wird Dir nicht weiterhelfen, weil jede Lehrperson ihn jeden Tag von Schülerinnen und Schülern zu hören bekommt, die glauben, damit sei die Sache erledigt.

• Wenn Du die Aufgabe nicht verstanden hast, frag nach. Wenn Du die Aufgabe nicht lösen kannst, beginne von etwas Ähnlichem zu erzählen.

• Achte auf die Reaktion der prüfenden Person. In ihrem Gesichtsausdruck kannst Du vielleicht erkennen, ob Du richtig liegst. Vielleicht nickt die Person bei einer richtigen Antwort.
• Wenn Du unsicher wirst, teile es mit. Sag z.B.: „Ich bin jetzt nicht ganz sicher was gemeint ist. Was ich jedoch weiss, ist…“. So kann die Lehrperson Deinen Gedanken folgen und Dir im entscheidenden Moment vielleicht weiterhelfen.

• Wenn Du ein Blackout hast, dann teile es mit.

• Grundsätzlich gilt: Du musst Dich um Kommunikation bemühen, nicht die Lehrperson. Sprich daher deutlich. Versuche vor allem in mündlichen Prüfungen die Führung zu übernehmen.

F) DAS BLACKOUT

Alle sind fleissig am Schreiben. Nichts ist zu hören, ausser dem Kratzen der Stifte auf dem Papier. Nur Dir will einfach nichts einfallen! Zu Hause war der Stoff noch da. Und kaum sitzt Du vor der Prüfung, ist alles weg! Auch wenn Du gut vorbereitet bist, kann es vorkommen, dass Dich Dein Gedächtnis im Stich lässt. Dieser Gedächtnisverlust wird Aussetzer oder Blackout genannt. Diese zwei Tipps beruhigen Dich. Bist Du ruhig, wirst Du Dich wahrscheinlich auch wieder an den Prüfungsstoff erinnern.

1) Bei richtiger Atmung können sich Körper und Geist entspannen. Setzte Dich gerade und bequem hin, richte den Oberkörper auf und atme einige Male langsam ein und aus.

2) Schliesse für eine Minute die Augen. Verlasse in Gedanken den Prüfungsraum. Konzentriere Dich auf etwas anderes. Denk an etwas Schönes und tu in Gedanken etwas, das Dir guttut.

Befindest Du Dich in einer mündlichen Prüfungssituation, tu Folgendes: Leg eine Sprechpause ein. Danach fasse das bereits Gesagte nochmals zusammen. Sprich langsam. So findest Du den Anschluss an das Thema wieder. Oder sage ganz offen „Ich habe den Faden verloren, wer gibt mir ein Stichwort?“ Negative Gedanken können ein Blackout auslösen. Angst machende Gedanken haben in Deinem Gehirn nichts zu suchen. Wenn Du sie mit positiven Gedanken ersetzt, kannst du ein Blackout vermeiden:

• Vermeide negative Gedanken wie „Ich darf keinen Fehler machen“, „In Prüfungen habe ich sowieso immer Pech“, „Ich bekomme bestimmt kein Wort heraus“. Solche Gedanken nennt man auch selbsterfüllende Prophezeiungen.

• Eine selbsterfüllende Prophezeiung ist eine Vorhersage („Prophezeiung“), die über direkte oder indirekte Mechanismen ihre Erfüllung selbst bewirkt. Ein wesentlicher Mechanismus ist, dass derjenige oder diejenigen, die an die Vorhersage glauben, sich so verhalten, dass sie sich erfüllt. Mit anderen Worten, wenn Du Dir vor der Prüfung einredest, ein BLACKOUT zu haben, ist es nicht unwahrscheinlich, dass ein solches auch tatsächlich eintritt. Denke stattdessen: „Ich bin gut vorbereitet, ich kann es. Etwas fällt mir sicher ein.“

Hier zum Schluss noch 11 Lerntricks der Supermaturandin Kim Borsky, die an der Kanti Wetzikon alle Maturaprüfungen mit Sechsern abgeschlossen hat. Offenbar ist das möglich!

https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/Die-11-Lerntricks-der-Supermaturandin-/story/14546034?track

https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/Trotz-Notenrekord-Ich-fuehle-mich-nicht-als-Genie/story/11799529?track

Christoph Frei, Akademisches Lektorat, CH-8032 Zürich