WIE SCHREIBE ICH EINEN AUFSATZ FÜR DIE ZAP?

«Wie soll ich eigentlich den Aufsatz für die ZAP schreiben?», hat mich vor ein paar Wochen eine Schülerin gefragt. Keine dumme Frage natürlich, zumal es viele verschiedene Wege gibt, einen Aufsatz in den Sand zu setzen. Gleichermassen gilt, dass niemand ein Patentrezept für den sogenannt perfekten Aufnahmeprüfungsaufsatz hat. Vermutlich gibt es den auch gar nicht, Texte sind schliesslich nie fertig. Klar ist allerdings, wer darüber entscheidet, ob der Aufsatz genügt oder nicht. Es sind die korrigierenden Lehrpersonen der ZAP, wer sonst? Also müsstest Du herausfinden, wie Lehrpersonen im Fach Deutsch Aufsätze für die ZAP einschätzen und bewerten. Kurz, wie sie ticken. Aber wissen die denn überhaupt, was sie wollen und wie sie ticken? Die meisten vermutlich schon, und die Anderen verlassen sich auf die Korrekturempfehlungen der Aufsatzkommission, damit sie nichts falsch machen.

Nach allgemeiner Einschätzung werden mittlerweile bei der Aufsatzkorrektur hauptsächlich die folgenden Kriterien bewertet:

1. DER AUFBAU
Viele Schülerinnen und Schüler wissen nicht, wie ein Aufsatz optisch aufgebaut wird. Oft schreiben sie den ganzen Text ohne Abschnitte in einem Block. Allerdings wird erwartet, dass der Aufsatz eine Einleitung, einen Hauptteil sowie einen Schluss ausweist. In der Einleitung geht es darum, die Leser zum Hauptteil des Textes hinzuführen. Wer nicht weiss, wie er anfangen soll, hilft sich am besten mit dem Wer-Wo-Wann-Einstieg, um so schon in der Einleitung oder gar im ersten Satz möglichst viele W-Fragen zu beantworten. Der Hauptteil des Textes nimmt naturgemäss den grössten Platz ein. Hier sollst Du langsam den Kern Deiner Geschichte vorbereiten, indem Du die Vorgänge ausgiebig schilderst und die Hauptperson über ihre Gefühle und Empfindungen sprechen lässt. (In der Regel bist das Du, daher wählst Du die Ich-Form.) Mit dem Schluss verabschiedest Du Dich als Autor von Deinem Leser. Du sagst gleichsam TSCHÜSS! Der Schluss sollte daher den Text abrunden, zum Beispiel indem Du ein Fazit ziehst oder Deinen Text mit einem treffenden Satz zusammenfasst. Im Grunde ist der Schluss eine Art Resümee aller Teile, vergleichbar einem dicken Schlussstrich bei einer komplizierten Rechenaufgabe. – Hier musst Du vor allem darauf achten, dass mit Deinem Schluss auch wirklich Schluss ist und Dein Text nicht mit einem Cliffhanger endet. Bedenke daher: Schlussstriche zieht man nicht mit Bleistift!

2. DER INHALT
Kommen in Deinem Aufsatz auch Deine Ideen vor? Beim Schreiben ist es wichtig, der eigenen Phantasie freien Lauf zu lassen, ohne um jeden Preis originell zu sein. Wenn Du bloss erzählst, was am letzten Wochenende passiert ist, ohne dass Du auch über Dich selber schreibst, wirst Du wohl nicht wirklich punkten. Ebenso wenig, wenn Du eine Textstelle fortsetzen musst, in der zum Beispiel ein Junge abends seine Wohnung verlässt und auf einem verlassenen Parkplatz seltsame Geräusche hört, die in seinem weiterzuführenden Text zu Ausserirdischen oder Zombies werden. Kommen dann noch Helikopter und Panzer in der Geschichte vor, fallen Schüsse oder kommt es zu einer Messerstecherei, hast Du zum Schluss ein Ego-Shooter-Spiel erzählt und so das Thema verfehlt. (Vielleicht zeigt dieses Beispiel, wie sehr oft einfache Fortsetzungsaufgaben unterschätzt werde. Zwar weiss der Schüler sogleich, was für einen Schreibauftrag er zu erfüllen hat, doch fällt ihm oft nach wenigen Sätzen nichts mehr ein, das zum vorgegebenen Textanfang passt.)

3. DIE SPRACHLICHE KORREKTHEIT
Wenn Dein Aufsatz voller Orthografiefehler ist, wird sich das bestimmt nicht gut in der Bewertung widerspiegeln. Du musst nicht fehlerfrei schreiben für eine genügende Note, doch solltest Du Dir erkennbar Mühe geben, Sprachfehler vermeiden zu wollen. Und natürlich musst Du den Aufsatz zum Schluss nochmals durchlesen und sprachliche Zweifelsfälle mit dem Duden (Rechtschreibung) oder mit dem in der Primar- bzw. Sekundarschule verwendeten Wörterbuch klären. (Elektronische Wörterbücher sind nicht erlaubt.) Eine andere Methode für die Rechtschreibkorrektur ist beim zweiten Durchlesen den Fokus weniger auf den Inhalt als auf die Rechtschreibung zu legen. Hierfür empfehle ich Dir, den Aufsatz einmal Wort für Wort rückwärts durchzulesen. So entdeckst Du möglicherweise offensichtliche Flüchtigkeitsfehler, auf die Du gerne verzichtest. Und warum? Durch das Rückwärtslesen wirst Du nicht mehr vom Inhalt abgelenkt und Du kannst Dich wirklich nur auf die einzelnen Wörter konzentrieren. Du überliest Deine Fehler also nicht.

4. DAS SCHRIFTBILD
Selbstverständlich werden an der ZAP keine Schön-Schreib-Punkte verteilt. Trotzdem solltest Du Dich darum bemühen, so leserlich wie möglich zu schreiben. Du willst ja die Person, die Deinen Aufsatz korrigiert, nicht mit einer unleserlichen Schrift unnötig nerven. Lehrer sind auch nur Menschen, so dass sie einen Aufsatz mit gut lesbarem Schriftbild unbewusst etwas besser bewerten. Hierzu gehört auch, dass Du den Titel der Arbeit mit einem Lineal und nicht von Hand unterstreichst und dass Du zwischen den drei Hauptteilen «Einleitung», «Hauptteil», «Schluss» eine Zeile frei lässt. Alles scheinbare Details, die mit Sicherheit kein Gymnasiallehrer zu Deinem Nachteil auslegt, im Gegenteil.

5. FINALLY, LET ME SAY THIS
Der schriftliche Ausdruck sagt viel über die Reife des Schülers und die intellektuelle Auseinandersetzung mit seiner Umgebung. An der Aufnahmeprüfung in weiterführende Schulen wie der ZAP ist das Schreiben von Aufsätzen ein wesentlicher Bestandteil. Der sprachliche Ausdruck ist eine Schlüsselkompetenz und hat entsprechendes Gewicht bei der Benotung.

Christoph Frei, Akademisches Lektorat, CH-8032 Zürich