SPÄTER, WANN IST DAS?

»Das gefährlichste Wort der Welt«, schreibt der Blogger Markus Cerenak, »klingt eigentlich ganz harmlos.« Ich habe Angst vor diesem Wort, weil es zerstörerisch ist. Es wirft alles, was wir wollen, über den Haufen. Es lässt die Dinge gegenstandslos und unwichtig erscheinen. Es hat Macht über unser Unterbewusstsein; denn es verspricht Trost und Sicherheit zugleich, obwohl es uns von allem abhält, was wir wollen. Es ist das gefährlichste Wort der Welt und der wichtigste Verbündete des Hamsterrads, so Markus Cerenak. »Es lautet: SPÄTER.«

Im Grunde ist es ganz einfach und erbarmungslos. Es bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass Du Dir etwas vornimmst oder etwas zu tun hast, und es nicht tust. Es bedeutet, dass Dein Unterbewusstsein weiss, dass es etwas zu erledigen gibt und Du dem nicht nachkommst. Dadurch leidet vor allem eines: Dein Respekt vor Dir selbst. Denn das SPÄTER sagen wir oftmals nur zu uns allein. Wir belügen uns mit dem Wort SPÄTER, indem wir uns vorgaukeln, »es schon noch zu machen.« Nicht selten konsultiert das Wort SPÄTER seinen engsten Verwandten, nämlich das Wort NIE.

»Später ist zu spät«, heisst es beim österreichischen Schriftsteller Peter Altenberg. Kennst Du das auch? Viel vorgenommen, wenig geschafft. Zwar beginnt Dein Tag mit vielen Prioritäten, einer ellenlangen To-do-Liste und grosser Motivation, doch dann taucht hier eine Ablenkung auf und da hat der Kollege eine Frage und die E-Mails solltest Du auch wieder einmal checken. Aufschieberitis ist allgegenwärtig und der häufigste Grund, weshalb jemand die Hochschule ohne Abschluss verlässt. Natürlich ist es einfacher, Aufgaben zu verschieben, als diese zu erledigen. Wer aber wirklich vorwärtskommen will, muss mit den Ausreden endgültig Schluss machen.

Experten raten zu den unterschiedlichsten Wegen aus der Aufschieberitis. Ich habe für Dich recherchiert und die 15 hilfreichsten Tipps gegen Prokrastination zusammengetragen. Nicht alle werden zu Dir passen. Das können und sollen sie auch gar nicht. Dazu ist das Problem zu individuell. Verstehe die Tricks als Sammlung von Alternativen und wähle die besten für Dich aus.

ERSTENS:
Beginne sofort. Zum Beispiel jetzt! Die 72-Stunden-Regel sagt: Wer sich etwas vornimmt, muss innerhalb von 72 Stunden den ersten Schritt machen, sonst sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er jemals mit dem Projekt beginnt.

ZWEITENS:
Lass Dir Zeit. Klingt zwar widersprüchlich, ist es aber nicht! Du sollst nicht den Start einer Aufgabe verschieben, sondern genügend Zeit einplanen. Oder wenn Du es eilig hast, mach es langsam. Oft wird unterschätzt, wie lange etwas dauert. Mach diesen Fehler nicht! Gib Dir selber genügend Zeit und es wird Dir umso leichter fallen, wirklich loszulegen.

DRITTENS:
Verdeutliche Dir die Konsequenzen. Das sorgt zunächst für zusätzlichen Druck, kann jedoch heilsam sein. Mache Dir klar, welche Folgen es haben kann, wenn Du die Aufgabe zu spät oder gar nicht erledigst. Was wird Dein Professor über Dich denken? Was Deine Kollegen? Du hast schliesslich einen Ruf zu verlieren!

VIERTENS:
Zerlege grosse Aufgaben in kleine. Es ist wie mit dem physikalischen Gesetz der Trägheit: Ist ein schwerer Körper erst in Bewegung, wird es leichter, ihn in Fahrt zu halten. Auch die längste Reise beginnt mit einem einzelnen Schritt, lautet ein chinesisches Sprichwort. Also beginne mit kleinen Schritten.

FÜNFTENS:
Sei konkret, denn nur Taten bringen Dich weiter. Je genauer und konkreter Du bei der Planung vorgehst, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du von Deinen Plänen abweichst. Nimm Dir zum Beispiel vor, jeden Tag eine halbe Seite an Deiner Bachelorarbeit zu schreiben oder künftig jeden Tag um 10:00 Uhr eine Stunde für Deine Statistikprüfung zu lernen, bevor Du eine Pause machst. Eine solch genaue Planung motiviert, anstatt abzuschrecken.

SECHSTENS:
Höre auf, perfekt zu sein. Vielleicht kennst Du die Arbeitsmethodik des Pareto-Prinzips. Das Pareto-Prinzip wird auch 80:20-Regel oder 80:20-Prinzip genannt. Der Definition nach besagt es, dass sich 80 Prozent Deiner Aufgaben in 20 Prozent deiner Zeit erledigen lassen. Umgekehrt sind für die verbleibenden 20 Prozent Deiner Arbeit rund 80 Prozent Deiner Zeit erforderlich. Das Pareto-Prinzip kann Dir im Zeitmanagement helfen, die richtigen Prioritäten zu setzen, damit Du Dich im Wust Deiner Arbeiten nicht verzettelst.

SIEBTENS:
Setze Dir Limits. Sicher kennst Du das Parkinson’sche Gesetz. Es geht auf den britischen Historiker Cyril Northcote Parkinson zurück. Danach dehnt sich Arbeit in genau dem Mass aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht, und nicht etwa wie viel Zeit Du tatsächlich dafür bräuchtest. Denke an die Veranstaltungen in den Seminaren: Stundenlang werden Themen diskutiert, alle können mitreden, auch wenn nicht jeder eine Ahnung davon hat. Aber fünf Minuten vor Schluss werden trotzdem die entscheidenden Beschlüsse gefasst. Warum nicht gleich so? Ganz einfach: Weil nicht von Anfang an Limits gesetzt wurden.

ACHTENS:
Beginne mit dem Unangenehmsten. Packe den Stier bei den Hörnern: In der Regel wird es die unangenehmste Aufgabe sein, die Du die ganze Zeit vor Dich hergeschoben hast. Warum diese nicht sofort morgens hinter Dich bringen, wenn Du noch frisch bist? Der Rest des Tages wird Dir umso leichter von der Hand gehen.

NEUNTENS:
Sei weniger online. Das Internet ist ein unglaublicher Zeitfresser und zugleich eine verführerische Ablenkung. Blogs lesen, rumsurfen, E-Mails schreiben, zack, schon hast Du zwei Stunden verballert, die Du auch produktiv hättest nutzen können.

ZEHNTES:
Bleibe fit. Klingt banal, ist es aber nicht: Stress und Ängste können eine ebenso häufige Ursache für Prokrastination sein. Körperliche Aktivität ist ein wirksamer Schutzmechanismus, der Stress abbaut, Ärger minimiert und den Geist durchlüftet. Sport schafft Oasen zum Nachdenken. Oft reicht schon eine halbe Stunde am Tag.

ELFTENS:
Don’t break the chain. Bemühe Dich um Routinen. Wer sich um einen geregelten Tagesablauf bemüht oder bestimmte Aufgaben immer wieder zur selben Zeit erledigt, verringert vor allem die Nischen, in denen er etwas aufschieben könnte.

ZWÖLFTENS:
Halte Erfolge fest. Aufschieberitis zu stoppen, ist wie eine Sucht zu bekämpfen: Du musst umlernen und Dein Gehirn mit anderen Dingen belohnen. Erste Erfolge, etwas nicht auf die lange Bank geschoben zu haben, aktivieren Dein Belohnungssystem.

DREIZEHNTES:
Sei dankbar. Dankbarkeit ist ein Schlüssel zum Erfolg. Sie verbessert sowohl die Beziehungen zu anderen Menschen, wie auch deren Einstellung und Motivation. Dankbarkeit verbannt negative Gedanken und reduziert Stress. Lerne also, dankbarer zu werden für Dinge, die Du schon erreicht hast und die Du noch erreichen könntest.

VIERZEHNTES:
Dulde keine Entschuldigungen. Aufschieber sind vor allem Meister der Ausrede. Jedes Mal, wenn Du wieder einen Grund (er)findest, warum Du etwas jetzt nicht erledigen kannst, fragst Du Dich vielleicht besser: Ist das auch wirklich wahr?

FÜNFZEHNTES:
Fang schon endlich an, und zwar jetzt.

Christoph Frei, Akademisches Lektorat, CH-8032 Zürich