WER IST MISTER X?
Häufig symbolisiert der Buchstabe «X» das Unbekannte oder Geheimnisvolle, manchmal auch das Mysteriöse. In der Mathematik steht «X» traditionell für eine unbekannte Variable. In der Popkultur wird «X» oft verwendet, um etwas Verbotenes oder Gefährliches darzustellen. Diese Assoziationen tragen dazu bei, dass «Mister X» als Bezeichnung für eine bedrohliche oder kryptische Figur gewählt wird. So war es auch letzte Woche, genauer am Donnerstag, den 5. Dezember 2014, als ich mit meinem Lebens- oder Lieblingsmenschen im Zug der Schweizerischen Bundesbahnen in 1 Stunde und 53 Minuten von Zürich nach Lugano reiste. In der grössten italienischsprachigen Gemeinde der Schweiz angekommen, verköstigten wir uns zunächst vis-à-vis dem Bahnhof im Restaurant PONTE TRESA, um uns anschliessend im Taxi zu «Mister X» chauffieren zu lassen. Allerdings hatte der Fahrer im blauen TESLA keine Ahnung, wo sich «Mister X» zurzeit aufhielt. Zwar konsultierte er sein Navigationssystem, vermochte freilich auch nicht mithilfe genauster Positionsbestimmung auszumachen, wo genau sich «Mister X» gegenwärtig befand. Also konsultierte ich meine Chatbot-ähnliche Such- und Antwortmaschine PERPLEXITY, die immerhin wusste, dass «Mister X» sich regelmässig im «Parco Ciani» am Lago di Lugano vor der Villa Ciani aufhält. Gleichwohl wusste niemand im schönen Park, wo genau «Mister X» zu finden war. Selbst Bilder auf dem Handy halfen nicht weiter, weshalb wir uns dazu entschieden, zum Parkeingang zurückzugehen und die Gartenanlage bis zum Ausgang abzuschreiten. Nach etwas mehr als einer Viertelstunde begegneten wir zwar nicht «Mister X», doch immerhin einer Statue von ihm. Oder war es ein Denkmal, eine zum Gedächtnis an eine Person oder ein Ereignis errichtete, grössere plastische Darstellung also, ein sogenanntes Monument. Zu sehen war eine gesichtslose Figur, die auf einem Laptop arbeitet. Aufgrund der besonderen Eigenschaft des Designs schien die Figur aus bestimmten Blickwinkeln zu verschwinden. Dieser Effekt wird durch schmale Schlitze in der Struktur erreicht, die es ermöglichen, dass die Statue je nach Betrachtungswinkel teilweise oder vollständig durchsichtig wirkt. Diese Gestaltung symbolisiert den Rückzug von «Mister X» aus der Öffentlichkeit. Die Enthüllung der Statue am 25. Oktober 2024 unterstreicht Luganos Engagement für digitale Innovationen und die Förderung von Blockchain-Technologien. Bürgermeister Michele Foletti erklärte bei der Enthüllung, dass das Denkmal nicht nur den innovativen Geist der Stadt verkörpert, sondern auch «Mister X» beziehungsweise Satoshi Nakamoto ehrt. Die Statue in Lugano gilt als bedeutendes Kunstwerk, das die Anonymität und den Einfluss von Satoshi Nakamoto würdigt und gleichzeitig Luganos Rolle als Vorreiter im Bereich digitaler Innovationen hervorhebt.
Bekanntlich handelt es sich bei Satoshi Nakamoto um ein Pseudonym, das für den Erfinder der Kryptowährung Bitcoin steht. Welche Person oder Personengruppe sich hinter diesem Pseudonym verbirgt, ist bis heute unbekannt. Der Grund für unseren Besuch in Lugano war die Tatsache, dass der Preis des Bitcoins am Donnerstag erstmals über die magische Marke von 100’000 US-Dollar stieg. Jerome Powell, Präsident der Federal Reserve, bezeichnete diese Woche Bitcoin als «digitales Gold», der kommende Präsident gratulierte der Bitcoin Community zum Anstieg der Kryptowährung auf über 100k und hat im Wahlkampf Bitcoin sogar als Teil der Reservewährung für Amerika ins Spiel gebracht. Entstanden ist das Bitcoin-Netzwerk am 3. Januar 2009; seit seiner Einführung, als der Preis von Bitcoin, festgelegt im Oktober desselben Jahres, bei 0’00076 US-Dollar lag, hat der Wert im Dezember 2024 genau 103’000 US-Dollar erreicht. (Etwas konkreter erzielte der Bitcoin in den letzten 10 Jahren eine durchschnittliche jährliche Rendite von 116,41%. Im Jahr 2014 lag der Preis bei etwa 300 US-Dollar und stieg am letzten Donnerstag über HUNDERTTAUSEND. Dies entspricht einem Anstieg von über 33’000% in diesem Zeitraum. Darum gilt der Bitcoin für viele als «best performing asset ever», zu Deutsch als Anlage mit der besten Performance, oder wie Raul Pal, Gründer und CEO der Real Vision Group, es formuliert hat: BITCOIN IS A GIFT.
Eigentlich schade, habe ich mir bei der Rückkehr zum Bahnhof gedacht, dass so wenig Menschen in Lugano, immerhin die erste Bitcoin Stadt der Schweiz, wissen, wer «Mister X» oder eben Satoshi Nakamoto ist.
Christoph Frei, Akademisches Lektorat, CH-8032 Zürich
Bild:
Statue of Satoshi Nakamoto by AL
City of Lugano unveils new statue of Satoshi Nakamoto

