KOMMUNIKATION VOM FELDHERRENHÜGEL
Der Schlüssel jeder erfolgreichen Kommunikation ist die Fähigkeit zur METAKOMMUNIKATION, kurz, die Kommunikation über die Kommunikation, implizit oder explizit, zu der sich die Partner gleichsam auf einen FELDHERRENHÜGEL begeben, um Abstand zu nehmen von dem «Getümmel», in das sie sich verstrickt haben und in dem sie nicht mehr (oder nur zäh und schwierig) weiterkommen. METAKOMMUNIKATION ist ein Prozess, bei dem die Gesprächspartner die inhaltliche Ebene verlassen, um über die Art und Weise ihres Austauschs zu sprechen. Dieser «Blick von oben» auf das Gespräch hilft, Missverständnisse zu klären, Konflikte zu lösen und die Beziehung zwischen den Kommunizierenden zu verbessern. Der massgeblich von den Kommunikationswissenschaftlern Paul Watzlawick und Friedemann Schulz von Thun geprägte Begriff beschreibt einen wesentlichen Aspekt menschlicher Interaktion. Oft sind es nicht die ausgesprochenen Worte allein, die zu Schwierigkeiten führen, sondern die Art und Weise, wie etwas gesagt wird, der Tonfall, die Mimik, die Gestik oder die unausgesprochenen Annahmen, die mitschwingen. Ziel der Metakommunikation ist es, eine gestörte oder ineffektive Kommunikation wieder in konstruktive Bahnen zu lenken. Indem die Beteiligten offenlegen, wie sie die Kommunikation erleben und was sie sich wünschen, können sie Missverständnisse aufklären, Konflikte entschärfen sowie die eigene Kommunikationskompetenz erhöhen. Die Bereitschaft zur Metakommunikation signalisiert Offenheit, Respekt und den Wunsch nach einer funktionierenden Beziehung.
Ein gebührenfinanziertes Kommunikationsdebakel erlebte gestern Sonntag die grösste öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ARD bei ihrem «Sommerinterview» mit der AfD-Co-Vorsitzenden Dr. Alice Weidel, welches den Sender in den nächsten Tagen wohl noch beschäftigen wird. Das Sommergespräch mit der AfD-Chefin war nämlich akustisch erst nur mit Einschränkungen und nach etwa der Hälfte der Zeit fast gar nicht mehr zu verstehen. Schuld war eine linke Demo mit einer leistungsstarken Lautsprecheranlage, der die weltgrösste öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt anscheinend nichts entgegenzusetzen hatte oder wollte. Es sei «ein bisschen laut hier», sagt Frau Weidel schon nach zwei Minuten. Im weiteren Verlauf kann sie viele der Fragen kaum noch verstehen und muss dem Moderator regelrecht auf die Pelle rücken. Nach einer Viertelstunde geht dann eigentlich nichts mehr. 18 Euro 36 darf jeder Haushalt in Deutschland aktuell pro Monat für ARD, ZDF und die angeschlossenen Heerscharen von Sendern und Kanälen bezahlen. Dass man dafür eine ausgewogene Berichterstattung bekäme, lässt sich nicht behaupten. (Es mag Redaktionen geben, die sich um politische Fairness bemühen. Doch alles in allem ist das Programm stark linkslastig.) Bürgerliche Zuschauer haben sich mit dieser Schieflage längst abgefunden. Sie schauen mit einem Kopfschütteln zu, oder schalten erst gar nicht mehr ein. Im Umgang mit der AfD haben viele den Eindruck, dass die öffentlich-rechtlichen Sender die Rechtspartei nicht nur kritisieren – wofür es sicher gute Gründe gibt –, sondern regelrecht dämonisieren.
Zwei Gewinner hat die ARD freilich produziert. Da ist zum einen die AfD, die sich abermals als Opfer inszenieren kann, in diesem Fall nicht zu Unrecht, und zum andern das immer auf Krawall gebürstete «Zentrum für Politische Schönheit», im Kern ein Künstlerkollektiv und keine Nichtregierungsorganisation (NGO), das die rechtskonservative AfD eine Viertelstunde lang zur besten Sendezeit beleidigen konnte.
Selbst wenn der Sender im Nachgang Fehler einräumt und Konsequenzen ankündigt, war das Interview nicht nur schlecht geplant, sondern eigentlich eine Steilvorlage für die AfD. Auch der ARD-Moderator Markus Preiss sagte, dass das Interview unter verschärften Bedingungen stattgefunden habe. Er und Weidel hätten sich teilweise kaum verstehen können. Frau Weidel ihrerseits sah natürlich keine Veranlassung, das Gespräch zu beenden. Metakommunikativ nutzte sie die Situation, um sich als Opfer zu inszenieren, kritischen Fragen auszuweichen und ihre Wahlversprechen zu verteidigen. Der Sender bot ihr jede nur erdenkliche Möglichkeit, sämtliche Vorurteile zu bestätigen und das Gespräch wiederholt auf YouTube, Facebook, TikTok und X zu teilen und zu skandalisieren. (Warum hätte die AfD bei solchen Voraussetzungen kooperieren sollen?)
Sollte es in der Absicht der ARD gelegen haben, Schaden anzurichten, ist die Rechnung, wie man früher einmal sagte, aufgegangen. Der Sender hat nicht nur sich selbst, sondern vor allem der deutschen Gesellschaft geschadet, weil er am letzten Sonntag ein weiteres Mal geholfen hat, diese zu spalten.
Christoph Frei, Akademisches-Lektorat, CH-8032 Zürich
Bild:
François Gérard, 1770 – 1837
Napoleon I, Emperor
Museo di Capodimonte, Naples

