URSPRUNGSDENKEN
Neun Tests liefen anders als geplant, der zehnte wurde zweimal verschoben und lief dann weitgehend wie vorgesehen, inklusive einem neuen Meilenstein. Nach mehreren Rückschlägen hat das grösste jemals gebaute Raketensystem der Raumfahrtgeschichte am Mittwoch, den 27. August 2025, einen zehnten Testflug weitgehend nach Plan absolviert. Das vom privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tech-Milliardär Elon Musk entwickelte Starship startete vom Weltraumbahnhof des Unternehmens im Gliedstaat Texas, flog eine Weile durch das Weltall und wasserte dann rund eine Stunde später im Indischen Ozean. Erstmals gelang es bei diesem Test auch, das Aussetzen von Satelliten zu simulieren. Es sei ein «aufregender zehnter Testflug» gewesen, teilte SpaceX auf der ebenfalls Elon Musk unterstehenden Online-Plattform X mit. «Grossartige Arbeit vom SpaceX-Team», schrieb Musk. Der ursprünglich für Sonntag (Ortszeit) geplante Testflug war zuvor zweimal um je einen Tag verschoben worden – erst, um einen Fehler an den Bodensystemen zu beheben, dann wegen des Wetters. Das Raketensystem ist grösser als die Freiheitsstatue in New York. Es besteht aus zwei Teilen, die sich nach dem Start trennen: Dem etwa 70 Meter langen Booster Super Heavy und der – ebenfalls Starship genannten – oberen Stufe, die rund 50 Meter misst. Beide Teile sind so konzipiert, dass sie nach der Rückkehr zur Erde wiederverwendet werden können. Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa will mit dem Starship Astronauten zum Mond schicken, während SpaceX das Ziel verfolgt, eines Tages den Mars zu erreichen. Erstmals war das Raketensystem im April 2023 getestet worden – und damals nach wenigen Minuten komplett explodiert. Bei weiteren Tests erreichte die obere Stufe das All und landete auch schon kontrolliert im Indischen Ozean. Zuletzt waren allerdings mehrere Testflüge deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. – Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX will mit seinem Raumschiff Starship bis 2026 rund fünf unbemannte Missionen zum Mars durchführen. Gelingt der Plan, sollen in vier Jahren bemannte Flüge folgen. Der US-Raumfahrtkonzern SpaceX von Tesla-Chef will mit seinem Raumschiff Starship in den nächsten zwei Jahren rund fünf unbemannte Missionen zum Mars durchführen. Das kündigte der Konzernchef auf seiner Social-Media-Plattform an. Mit den unbemannten Missionen solle die Zuverlässigkeit von Landungen auf dem Mars getestet werden, hatte Musk bereits Anfang des Monats mitgeteilt. «Wenn diese Landungen gut verlaufen, werden die ersten bemannten Flüge zum Mars in vier Jahren stattfinden», prognostizierte er. Musk geht davon aus, dass eine sich selbst versorgende Stadt auf dem Mars in 20 Jahren möglich ist.
URSPRUNGSDENKEN oder «First Principles Thinking» ist eine Denkweise, bei der ein komplexe Probleme auf seine grundlegendsten, unbestreitbaren Wahrheiten oder Prinzipien zurückgeführt wird, um innovative Lösungen zu entwickeln. Anstatt sich auf bestehende Annahmen, Konventionen oder Traditionen zu stützen, wird ein Problem in seine elementaren Bestandteile zerlegt und von dort aus neu aufgebaut. Musk nutzt diese Methode, um bestehende Einschränkungen zu hinterfragen und kreative, oft unkonventionelle Lösungen zu finden. Elon Musk erklärt seinen Ansatz am Beispiel der Batterieproduktion für Tesla. Statt die hohen Kosten von Batterien als gegeben hinzunehmen, zerlegte er das Problem: Er fragte: „Aus welchen Materialien besteht eine Batterie?“ (z. B. Lithium, Kobalt, Nickel). Dann: «Wie viel kosten diese Materialien auf dem Weltmarkt?» Stellt er fest, dass die Rohstoffe relativ günstig sind, hinterfragte er die Produktionsprozesse und findet Wege, Batterien kostengünstiger herzustellen, was Teslas Elektroautos wettbewerbsfähiger machte. Musk glaubt, dass viele Menschen durch «Analogiedenken» eingeschränkt sind, also durch das Kopieren bestehender Lösungen mit kleinen Verbesserungen. URSPRUNGSDENKEN ermöglicht es, diese Denkmuster zu durchbrechen und radikale Innovationen zu schaffen, wie bei Tesla, SpaceX oder Neuralink. Es erfordert jedoch Mut, bestehende Normen zu hinterfragen, und einen analytischen Ansatz zu verfolgen, um die Grundprinzipien klar zu identifizieren. «First Principles Thinking», wie von Musk angewendet, ist ein systematischer Ansatz, um Probleme zu lösen, indem man sie auf die grundlegendsten Wahrheiten reduziert und von dort aus neu denkt. Es ist ein Werkzeug, um kreative, oft bahnbrechende Lösungen zu finden, indem man sich von Konventionen und vorgefertigten Annahmen löst. Müsste ich das URSPRUNGSDENKEN einem Kind erklären, das ein Baumhaus bauen will, könnte ich im Sprachstil des österreichischen Philosophen Ludwig Wittgensteins wie folgt vorgehen:
Stell dir vor, du willst ein Baumhaus bauen, aber alle sagen: «Baumhäuser sind teuer und schwer zu machen.» First Principles Thinking bedeutet, dass du nicht einfach glaubst, was alle sagen, sondern das Problem wie ein Detektiv auseinandernimmst, um es selbst zu verstehen und eine clevere Lösung zu finden. So funktioniert’s: Frag daher, warum: Jemand sagt, ein Baumhaus kostet viel Geld. Frag: «Warum ist das so?» Zerleg das Problem in Teile: Schau dir an, woraus ein Baumhaus besteht. Holz, Nägel, ein Seil für die Leiter – das sind die Grundbausteine. Überleg, was diese Dinge wirklich kosten. Vielleicht kannst du Holz von alten Paletten benutzen, die nichts kosten, oder Nägel von deinem Papa leihen. Bau neu auf: Jetzt denkst du dir eine Lösung aus, ohne dich von «Das war schon immer so» stoppen zu lassen. Vielleicht baust du ein kleineres Baumhaus oder benutzt Seile statt teurer Schrauben.
Elon Musk wollte ein Elektroauto bauen. Alle sagten: «Batterien sind super teuer!» Er hat aber nicht einfach aufgegeben. Er hat gefragt: «Woraus besteht eine Batterie?» (z. B. Metall und Chemikalien). Dann hat er gecheckt, wie viel diese Dinge wirklich kosten, und gemerkt, dass er die Batterien günstiger machen kann, wenn er schlau plant. So hat er Tesla-Autos erschwinglicher gemacht. Warum ist das cool? Mit First Principles Thinking kannst du Dinge erfinden oder Probleme lösen, indem du wie ein Erfinder denkst. Du hörst nicht auf «Das geht nicht», sondern findest deinen eigenen Weg, indem du die Dinge auf ihre einfachsten Teile runterbrichst. Es ist, als würdest du die Regeln neu schreiben, um etwas Spannendes zu schaffen!
Christoph Frei, Akademisches Lektorat, CH-8032 Zürich
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STARSHIP SUCCESSFUL 10TH FLIGHT
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